Mittelalterliche HORNHAUBE (um 1476)

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Schnittmuster Anleitung: HORNHAUBE nach der Kopfbedeckung der Harsthornbläser der Schlacht von Grandson 1476. Heute noch im Fasching verbreitet, war die Hornhaube im Mittelalter eine häufiger anzutreffende Kopfbedeckung von Funktionsträgern.

Bestell-Adresse dieses Schnittmusters: HMX1476HOHA


Informationen zur Hornhaube

Anfang März 1476 kam es zu einer Schlacht bei Grandson (zwischen Bern und Lausanne) zwischen den Eidgenossen und Burgundern. Etwa 20.000 Streiter standen sich gegenüber. Nur so viel - die Schweizer gewannen und schlugen die Burgunder unter Rücklassung ihres Hab und Guts in die Flucht.

Zeitgenössischen Chronisten zufolge spielten in dieser Schlacht die Bläser der eidgenössischen Signalhörner eine nicht unerhebliche Rolle: Von "lautem Tosen der Harsthörner" war die Rede und "(die Hörner) trieben einen groben Gesang". Jedenfalls soll der dunkle, dumpfe Ton der Angriffssignale die Gegner beeindruckt, eingeschüchtert, gar vertrieben haben.

Neben diesen eher audiblen Eindrücken sind wir Diebold Schilling dankbar, wenige Jahrzehnte nach dieser Schlacht das Geschehen sicherlich noch recht wahrheitsgetreu im Bild festgehalten zu haben. Auch hier haben die Hornbläser einen prominenten Platz. Und der interessierte Selberschneider bemerkt bei Ansicht dieses Bildes natürlich sofort: Mi-Parti und Ohrenhaube.

Mi-Parti

Hornhaube

Im Hochmittelalter entwickelte sich die Mode, Kleidungsstücke senkrecht geteilt in zwei Kontrastfarben auszuführen (Mi-Parti = halb-geteilt).

Die farbliche Teilung findet sich in vielen Kleidungsstücken. Häufig abgebildet sind bei Männern enge Beinline und passende Oberteile, Cotte oder Wams. Aber auch Gewänder der Frauen wurden Mi-Parti ausgeführt.

Im späteren Mittelalter erhält Mi-Parti auch im militärischen Bereich zunehmende Bedeutung - wie auf dem Schlachtengemälde von Diebold Schilling gut zu sehen: Die gewählten Farbkombinationen zeigen die Zugehörigkeit zu regionalen und organisatorischen Einheiten.

So tragen auch die Harsthornbläser Mi-Parti. Mit dem Mittelalter geht dann langsam auch die Mode der vertikalen Zweifarbigkeit zu Ende. Erhalten hat sich dieses Erscheinungsbild aber bis heute: Im Karneval, vor allem typisch bei Narren.

Verschiedene Abbildungen im späteren Mittelalter zeigen Kopfbedeckungen mit Ohren und/oder Hörnern. Anders als beispielsweise die früheren Helme mit befestigten echten Hörnern - häufig in Wikingerfilmen anzutreffen - sind diese Hauben komplett aus Stoffen, Leder oder Pelz gefertigt; die Ohren und Hörner sind angeschnitten. Heute eher lustig anzuschauen, zeigte das Tragen der Ohrenhaube zu der damaligen Zeit die Ausübung einer bestimmten Aufgabe; sicher sollte das Gesamterscheinungsbild des Trägers - wie in der Schlacht auf der Abbildung oder in anderer Dokumentation bei Nachtwächtern - Respekt einflössen.


Allgemeine Hinweise zum Schnittmuster

Ausdruck

Maßstabgerechter Ausdruck: Beachten Sie in Ihrem PDF-Viewer die Einstellung TATSÄCHLICHE GRÖSSE und überprüfen Sie die Maße des Testquadrats auf der ersten Schnittmuster-Seite (die Bezeichnung der Einstellung und das Aussehen der Druckmaske kann je nach Programm-Version des PDF-Viewers unterschiedlich sein).

Sie können das Schnittmuster auf jedem handelsüblichen Drucker ausgeben. Farbig ist übersichtlicher, es gehen aber auch S/W-Drucker. Typischerweise verwenden Sie Ihren DIN A4 Drucker zu Hause, es können aber auch größere Formate bis zu DIN A0 oder US-amerikanische Papierformate gewählt werden.

Bei großen Schnittmustern können Sie Papier sparen, in dem Sie nur die gewünschten Seiten ausdrucken, z.B. bei verschiedenen Rocklängen.

Auch die Vorspannseiten (Titelblatt, Schnittübersicht, Anleitung) brauchen Sie nicht unbedingt ausdrucken.

Schnittmuster Vorbereitung

Bitte messen Sie nach dem Ausdruck zuerst das Kontrollquadrat 10x10 cm auf der ersten Schnittmuster-Seite nach. Dies stellt sicher, das Ihr PDF-Viewer die Seiten nicht soch versehentlich verkleinert hat.

Die Schnittmuster-Übersischt zeigt, wie die einzelnen Seiten zusammengeklebt werden. Alle Seiten sind rechts unten entsprechend nummeriert.

Die Seiten passen an der umlaufenden, hellgrau gepunkteten Klebelinie genau zusammen.

Für das Zusammenkleben der Seiten schneiden Sie am besten den rechten und den unteren Rand der Seiten an der Klebelinie ab.

Sie können dies mit der Schere tun; viel schneller und genauer geht es natürlich mit einem Papierschneider - falls Sie öfter nähen, lohnt sich die Anschaffung.

Die Seiten werden jetzt wie auf der Schnittübersicht gezeigt zusammengeklebt; erst die Reihen und dann die einzelnen Reihen untereinander.

Sie können Papierkleber verwenden (dies tut unser Team) oder auch transparentes Klebeband (Tipp vieler KundInnen).

Sie brauchen es nicht zu übertreiben mit der Genauigkeit: Kleinere Versätze beim Kleben sind normal und werden beim Materialzuschnitt und beim Nähen allemal ausgeglichen.

Die einzelnen Schnittmusterteile können jetzt ausgeschnitten werden.

Das Schnittmuster beinhaltet keine Naht- oder Saumzugaben. Bitte zugeben. Dies können Sie je nach Ihrer persönlichen Vorliebe entweder auf dem Stoff beim Zuschnitt tun (so wird es bei den Anleitungs-Fotos gehalten) oder auch bereits am Papierschnitt vor dem Ausschneiden.

Vor dem Zuschnitt

Der Stoffbedarf kann aufgrund der vielen möglichen Größen und der unterschiedlichen Anforderungen der Materialien nicht sinnvoll genannt werden. Bitte legen Sie die fertigen Papierschnittteile am Boden aus wie auf der Stoffbahn und ermitteln so den Stoffbedarf der verschiedenen Materialien.

Das Schnittmuster enthält alle formgebenden Teile mit Beschriftung der erforderlichen Anzahl beim Zuschnitt. Falls auf einzelnen Schnittteilen kein Fadenlauf aufgedruckt ist, verläuft er in Druckrichtung von oben nach unten.

Je nach Material und Ausführungswunsch können zusätzlich Verstärkung, Fütterung, Belege, Verschlüsse, Schrägbänder und Dekoration erforderlich sein.

Viel Spaß beim Selberschneidern!

Selberschneidern erfordert je nach dem erwünschten Stück mehr oder weniger Übung und Erfahrung. Gerade bei neuen Schnittmustern immer empfohlen ist die Erstellung eines Musterstückes aus Billig-Material, um Missverständnisse auszuschliessen und gewünschte Änderungen bereits am Papierschnitt vornehmen zu können.

Aber auch Anfänger werden mit etwas Geduld und einem guten Buch der Grundtechniken oder einem Nähkurs erfolgreich sein.

Historische Nähtechnik

In den Beispielen werden die Stücke mit aktuellem Material und mit Nähmaschine erstellt. Selbstverständlich können Sie diese authentische Schnittvorlage auch mit historischen Techniken arbeiten.


Material, Zuschnitt, Nähen

Für die Mi-Parti-Haube benötigen Sie als Grundmaterial zwei farblich und optisch/taktil sowie vom Verhalten passende Grundstoffe - optimal wären vollständig gleiche Stoffqualitäten nur mit unterschiedlicher Farbe. Weshalb ich das so hervorhebe, werden Sie nach der Suche nach der gewünschten Farbkombination im Stoffladen Ihren Vertrauens verstehen.

Für die Schulter ist ein kurzer Riegel aus Grundmaterial vorgesehen, der das dort offene Vorder- und Rückenteil zusammenhält.

Ohren und Hörner müssen ausgestopft werden. Bei den Musterstücken haben Stoffreste des Grundmaterials gut gehalten.

Falls Sie die Haube längere Zeit am Stück tragen möchten, empfiehlt sich eine Fütterung in einem hautfreundlichen Material. Mit der Fütterung lassen sich auch Ohren und Hörner weiter stabilisieren.

Bei der Männerhaube wurden dichtere Wollstoffe als Grundmaterial gewählt - bei der Schlacht Anfang März bestimmt angenehm wärmend.

Für das Innenohr reicht ein Rest blutroten Leinens.

Die Kinderhaube ist aus (Kunst-) Pelz, die Hörner und das Innenohr aus (Kunst-) Leder. Die umlaufende Besäumung besteht aus festem Leinen - einem Rest der Cotte des Kindes.

Die einzelnen Teile können jetzt dem Schnittmuster entsprechend zugeschnitten werden. Beim Mi-Parti halt aufpassen: Die Teile sind korrekt einteilig zuzuschneiden und nicht wie schon fast automatisch geübt spiegelbildlich in der doppelten Stofflage.


Nähen

1. Zuerst wird das Innenohr auf die vorderen Hälften der Ohrmuscheln genäht.

2. Jetzt werden die jeweiligen Ohren- und Hornhälfen rechts auf rechts in die Ausschnitte der Kappenteile genäht.

3. Die Mittelnaht jeweils der beiden Vorder- und Rückteile der Kappe können jetzt rechts auf rechts zusammengenäht werden.

4. Mit der Seitennaht (von oberhalb des Halses lt. Markierung beginnend - der Kopf muss durchpassen) kann die Haube in einem Schritt umlaufend einschließlich Ohren und Hörnern geschlossen werden.

5. Haube wenden und anprobieren - die Passform kann jetzt noch nach den persönlichen Wünschen ein wenig optimiert werden.

6. Jetzt werden die Ohren und die Hörner ausgestopft und das Stopfmaterial mit Heftstichen gegen Herausrutschen gesichert.

7. Die Haube kann nun wahlweise aus einem angenehmen Material, zugeschnitten aus den Hauben-Teilen ohne Ohr- und Hornausschnitten, gefüttert werden.

8. Die Ausschnitte für den Rumpf, den Hals und das Gesicht säumen; je nach Material und gewünschter Optik einfach umnähen oder mit einem Saumband versäubern.

9. Für einen guten Sitz an der Schulter werden Vorder- und Rückenteil der Haube abschließend mit einem kurzen Riegel verbunden.

Fertig!

Für eine authentische Optik des Harsthornbläsers auf dem Schlachtengemälde passt zu der Ohrenhaube ein enges Beinkleid (Jointed Hose) und eine Cotte - beides aus zumindest farblich gleichartigem Material ebenfalls in Mi-Parti ausgeführt

Historisch belegt ist übrigens auch die Kennzeichnung der eidgenössischen Kämpfer mit einem weißen Stoffkreuz.

 

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